Die Psyche des PON

Autor: Malgorzata Lula - Internationaler Richter und PON Züchter

Der Po­lish Low­land Sheepdog (PON) ist ein sehr tem­pe­ra­ment­voller und in­di­vi­du­eller Hund. Der PON ist leb­haft, neu­gierig auf seine Um­welt, ist recht zu­rück­haltend mit einem aus­ge­prägten In­stinkt für sein Ter­ri­to­rium. Diese Cha­rak­terei­gen­schaften führen häufig zu Kon­flikten zwi­schen dem neuen Be­sitzer und seinem PON.

PON Welpen sind sehr aktiv, ziem­lich laut und greifen gern an. Sie pro­tes­tieren ener­gisch gegen Ein­schrän­kungen und das be­son­ders dann, wenn sie auf den Ge­schmack ge­kommen sind sich im ganzen Haus oder in der Woh­nung frei be­wegen zu können.

PONs ei­nigen sich schnell auf eine Ru­del­hier­ar­chie. Sie brau­chen und su­chen den Kon­takt zu ihrem Be­schützer aus den Tagen nach der Ge­burt. Sie ent­wi­ckeln sich schnell, werden früh un­ab­hängig und be­mühen sich be­gierig um eine Ver­bin­dung zu den Men­schen.

In ihrem neuen Heim sucht der kleine PON eine lie­be­volle aber dau­er­hafte Fa­milie. Die aus­ge­prägte Energie des Kleinen findet häufig einen Weg um an­spruchs­volle Spiele zu for­dern. Der Welpe muss be­schäf­tigt werden und braucht ge­nü­gend Aus­lauf und möchte spie­lend lernen. Kon­se­quente „Lehr­pro­gramme“, in Ver­bin­dung mit be­grenzter Be­we­gungs­frei­heit und der Mög­lich­keit der Er­kun­dung der Um­ge­bung sind not­wendig. Oft be­nehmen sich PONs ei­gen­sinnig und al­bern, aber das nur ge­spielt.

Das freche Jung­tier wird immer ver­su­chen seinen Kopf um jeden Preis durch­zu­setzen. Der Zorn des Be­sit­zers und mög­li­cher Zwang führt genau zum ge­gen­tei­ligen Ef­fekt. Der Welpe wird unter Um­ständen ei­gen­sin­nig und hart­nä­ckig. Er wird ihren An­wei­sungen ge­hor­chen, aber nur damit er wieder seine Ruhe hat. Je­doch, bei pas­sender Ge­le­gen­heit wird er nicht mit ihnen zu­sam­men­ar­beiten, z. B. bei Vor­füh­rungen.

Eine Freund­schaft mit einem PON her­zu­stellen ist nicht schwierig, aber es be­darf einer ge­wissen Schlau­heit. Der PON wird ihnen genau so­viel Zu­nei­gung und Re­spekt ent­ge­gen­bringen, wie sie ihm geben.

Sogar eine kleine Welpe wird sehr schnell be­greifen, wie weit er bei ihnen gehen kann und was er mit Ge­quiet­sche bei ihnen er­reicht. Wenn wir nicht ge­nü­gend Ge­duld und Strenge bei der Aus­füh­rung un­serer Kom­mandos auf­bringen wird der PON schnell seinen Vor­teil nutzen und sich zu einem Haus­ty­rann, oder einer Ner­ven­säge ent­wi­ckeln oder sich wie ein Dumm­kopf be­nehmen.

Be­son­ders ein psy­chisch starker Rüde kann sich für den in­kon­se­quenten Be­sitzer schnell zu einem Pla­ge­geist ent­wi­ckeln. Das zeigt sich be­son­ders beim Spaziergang, wo der Hund seine ei­genen Wege geht unter Missach­tung aller Kom­mandos.

Man sollte sich stets vor Augen halten, dass der PON von seiner Her­kunft her nicht mit einem „Schmu­se­hund“ zu ver­glei­chen ist. Der PON war ein ty­pi­scher Hof­wachhund der be­nutzt wurde um Schafe Rinder und Schweine zu hüten. Der PON ist es ge­wohnt bei der Ar­beit zu bellen. Er ar­beitet schnell, laut und nicht un­be­dingt sanft. Er bellt Ein­dring­linge wü­tend an und ver­sucht oft auch sie zu beißen. Zwei PONs können ohne Pro­bleme eine Kuh in Grenzen halten, ebenso wie einen Ein­dring­ling der es ge­wagt hat „ihr“ Ter­ri­to­rium zu be­treten.

Der PON ist der ge­bo­renen Wächter, und er­füllt diese Auf­gabe per­fekt. Er be­wacht sein Ter­ri­to­rium gern, fleißig und sorg­fältig. Nichts ent­geht seiner Auf­merk­sam­keit ! Es ist sehr un­ge­wöhn­lich dass ihn seine Ar­beit frus­triert. Er bleibt immer aktiv und er­war­tungs­voll sowie ent­ge­gen­kom­mend.

Die Ten­denz, einen PON wie einen „Schoß­hund“ zu be­han­deln, ver­ur­sacht häufig Pro­bleme. Die Be­schrän­kung dieses Ar­beits­hundes auf Schlafen, Fressen oder seine Funktion als De­ko­ra­tion ist ein ka­pi­taler Fehler des Be­sit­zers. Fühlt sich ein PON ge­lang­weilt ent­wi­ckelt er seine ei­genen Spiele, mit dem Er­gebnis das Dinge im Haus de­mo­liert werden, Lö­cher in Garten oder Blu­men­beeten ge­graben werden. Even­tuell bellt er stun­den­lang oder kratzt sich.

Ein frus­trierter Be­sitzer sperrt den Hund zur Strafe ein, und ver­stärkt damit den Stress mit all seinen mög­li­chen Sym­ptomen. Das hat stän­dige Tier­arzt­be­suche zur Folge um das Kratzen und/oder Haut­pro­bleme zu be­han­deln.

Lan­ge­weile, das Fehlen kör­per­li­cher Ak­ti­vität und fal­sches Futter, sind oft die Aus­löser für viele ne­ga­tive psy­chische Ver­än­de­rungen.

Der PON ist leider kein Hund für „Je­der­mann“. Dieser au­ßer­ge­wöhn­lich auf­rich­tige und in­tel­li­gente Hund be­nö­tigt einen klugen und kon­se­quenten mensch­li­chen Partner. Ein PON ist kein un­ter­wür­figer Schleimer oder ein stumpf­sin­niger Ge­folgs­mann son­dern ein ener­gie­ge­la­dener fröh­li­cher Partner (ein loyaler Freund). Der Be­sitzer der einen ak­tiven Le­bens­stil pflegt und sich Zeit nimmt für die Fell­pflege,  für Spa­zier­gänge, Vor­füh­rungen, Agi­lity und kon­se­quentes Trai­ning, wird einen freund­li­chen und wahren Freund finden - für immer!  Ja, einen Freund!